LMU: Orgel on the Rocks

Wir hatten vor zwei Wochen Karten für die „Veranstaltung“ Orgel On The Rocks besucht.
Wieso eigentlich?
Wir haben einfach das Wort „Orgel“ und „LMU Lichthof“ gehört beziehungsweise gelesen und dachten uns: „Ja, schön, wir kriegen endlich mal die Orgel zu hören!“. Also freuten wir uns wohl all zu sehr darauf, kauften blind Karten für uns und noch ein paar Freunde und gingen hin.
Die Veranstaltung an sich war vielleicht auf Papier gar nicht mal so schlecht durchdacht: die Lichtinstallation gab dem renovierten Hof ein neues Gesicht, es gab etwas zu trinken und die Veranstaltern hatten sogar für Kissen gesorgt, für diejenigen die sitzen durften/wollten. Allerdings waren es so wenige, dass wir trotzdem unseren Jacken nutzen mussten.
So. Angekommen freuten wir uns so sehr auf die Orgel, dass wir den Rest anfangs einfach ignorierten: Das oben erwähnte (grässliche) Licht, das egal wo du dich hingedreht hattest so sehr deinen Augen angriff, dass ich mir noch Gedanken darüber noch mache ob ich deswegen, ja genau deswegen, mal Augenkrebs bekomme; die sehr gut ausgesuchten, unfreundlichen Studenten (waren das überhaupt welche? Denn letztes Jahr um diese Zeit, als ich selber noch eine war, hatte man sich für öffentliche Veranstaltungen zumindest dezenter und angebrachter angezogen und dem Publikum, oder meinet wegen den Mitfeiernden, keine Körperteile die nicht in die Öffentlichkeit gehören gezeigt), die wohl als Aushilfen dienen sollen und die uns, den Weg zu den abgesperrten Teilen des Uni-Gebäudes ohne jegliche Erklärung grantig schnitten.
„Gut“, sagten wir uns, „nun haben wir die Tickets gekauft, wir sind jung, also können wir uns auf unsere Jacken auf dem Boden hinsetzten und warten“.
Ein Blick rundherum auf das altersmäßig gemischte Publikum geworfen, zeigte mir, dass viele Anderen das gleiche dachten wie wir: „ Die Orgel wird zwar für klassischen Hits der 60er und 70er Jahren eingesetzt, aber es macht nichts, wir wollen es hören“. Menschen, die wie wir auf dem Boden saßen oder noch glücklicher einen Platz auf einer Treppe ergattert hatten, warteten gespannt.
Das „organ recital“ fing schnell an. Entweder ohne jegliche Einführung oder mit einer, bei der wir wohl gewählt hatten nicht hinzuhören. Wie auch immer, uns wurde ziemlich schnell klar, dass das Ganze für uns und wohl für mindestens die Hälfte des Publikums ein Reinfall war. Die Orgel, die so pompös hinter uns oben an den Wänden des Unigebäudes hing, wurde nicht eingesetzt. Der für mich Möchtegern-Orgelspieler, der anfangs trotzt seiner Klamottenwahl durch sein Alter etwas Vertrauen vermittelt hatte, dass das Ganze noch was wird, hat mit seiner „Kunst“ unsere Ohren dermaßen vergewaltigt, dass wir die quälenden, körperlichen und seelischen Schmerzen noch Jahrzehnte mit uns tragen werden.
Was wir aus dieser Satire- oder doch Parodieveranstaltung mitnehmen?
Wir werden in der Zukunft nicht mehr die Veranstaltungen an der Uni besuchen. Oder nur mit sehr viel Recherche.
Wir haben einmal mehr die Lektion fürs Leben vorgeführt bekommen: Selbstvertrauen und -sicherheit ist super, aber bedeutet nicht, dass man sich alles erlauben kann.
Liebe Eltern und Großeltern, die ihr womöglich das gleiche wie wir dachtet: es tut uns so Leid, dass ihr so etwas auch nur fünf Minuten miterleben musstet. Wir haben eure Verzweiflung, die sehr nah an unserer war, gemerkt und verstanden.
Liebe, -s Universitätsverwaltung, -dekanat: geht’s noch?
So wollt ihr euch für die Öffentlichkeit geben? Sind leicht bekleidete Mädels, die mehr Preis geben als uns allen lieb ist, für euch repräsentativ?
Was sollen die Eltern und Großeltern, die an dem Abend dabei waren (mein Respekt an denjenigen die länger als 10 Minuten geblieben sind) darüber denken?

Ich als Ehemalige Studentin schäme mich sehr für euch. Es ist für eine angebliche Eliteuniversität unwürdig.
Gerade noch, wo ihr die Kurve mit der Schavanaffaire gekriegt habt, kommt ihr mit so etwas. Peinlich.